Ursachen und Auslöser von Stress

__Stress ist heute in aller Munde – und jeder kennt ihn. Aber was ist Stress überhaupt? Warum nehmen wir ihn so unterschiedlich wahr, und wie kommt er zustande? Hier erfahren Sie mehr zu den Entstehungsmechanismen und zu inneren und äußeren Auslösern von Stress.__
### Stress: Nur negativ oder auch nützlich? Stress ist zunächst einmal ein wertneutraler Begriff. Denn als unmittelbare körperliche Reaktion auf Reize in der Umwelt dient Stress grundsätzlich dazu, Körperfunktionen sekundenschnell zu optimieren und uns in die Lage zu bringen, angemessen auf die jeweilige Situation reagieren zu können. Diese Fähigkeit war in der Menschheitsgeschichte die Voraussetzung für das Überleben. Erblickten beispielsweise unsere Vorfahren ein wildes Tier, ermöglichte ihnen die blitzschnell ausgelöste körperliche Stressreaktion eine angemessene Reaktion auf die Situation. In der Evolution haben sich dabei die drei „Reaktionsmodelle“ Angriff, Flucht oder Erstarrung als überlebenssichernd bewährt. Auch in unserer heutigen zivilisierten Welt ist die Stressreaktion eine notwendige Fähigkeit, um akute Belastungen zu bewältigen und Gefahrensituationen zu meistern – auch wenn wir nicht mehr mit wilden Tieren, sondern mit Klausuren und anderen stressverursachenden Reizen (sogenannten Stressoren) konfrontiert sind. ### Eustress und Distress – zwei Seiten einer Medaille Dabei kann Stress auch im Alltag positive Auswirkungen haben. Als sogenannter Eustress (eu: positiv, stimulierend) sorgt er für eine gesunde Motivation, Konzentration und Fokussierung und kann sogar beflügeln, bis hin zu Glücksgefühlen. Wir brauchen Herausforderungen, an denen wir wachsen und verschiedenste Fähigkeiten verbessern können. Bei der Entwicklung von Kindern bilden solche Herausforderung wichtige Lernsituationen. Ohne diesen „Lebensmotor“ besteht die Gefahr von Langeweile, Lethargie und Unzufriedenheit. Erst wenn Belastungen dauerhaft anhalten und im Gegenzug adäquate Regenerationsmöglichkeiten und Bewältigungsstrategien fehlen, wird Stress als negativ wahrgenommen– der sogenannte Distress (dis: negativ, belastend) entsteht. Bei anhaltenden Stressreizen ist es also wichtig, dem Körper ausreichende Erholungsphasen einzuräumen, um chronischen Stress und einen damit einhergehenden Erschöpfungszustand zu vermeiden. Denn hat der Körper keine Möglichkeit sich zu erholen, wirkt sich dies negativ auf die Gesundheit aus. ### Typische Auslöser für Stress Ob eine Situation als Eustress oder Distress empfunden wird, ist individuell sehr verschieden. Das Prinzip der Stressentstehung ist dabei aber immer gleich. Ausgangspunkt können zahlreiche Reize und Situationen in unserer Umwelt sein. Zu den „klassischen“ Stressoren der Außenwelt zählen etwa - Unfälle - Schwerwiegende Krankheiten - Tod eines nahen Angehörigen - Überforderung und Überbeanspruchung - Zeit- und Leistungsdruck - Konflikte in der Familie - Körperliche Bedrohungen und Angriffe - Reiz-Überangebot - Lärm - etc. ### Warum erleben wir Stress unterschiedlich? Wie sehr potenzielle Stressoren auch tatsächlich als stressig wahrgenommen werden, hängt davon ab, wie wir sie bewerten. Denn Situationen können individuell sehr unterschiedlich eingeschätzt werden. Dabei spielen vor allem zwei Aspekte eine Rolle: Zum einen bewerten wir, ob die Situation an sich einen potenziellen Stressor darstellt. So mag ein Vokabeltest für Schüler ein möglicher negativer Stressfaktor sein. Für die Lehrkraft ist er das jedoch nicht. Zum anderen schätzen wir ein, ob wir die Situation bewältigen können. Basierend auf unseren internen Ressourcen (bisherige Erfahrungswerte mit ähnlichen Situationen, Kenntnisse, Fähigkeiten etc.) sowie auf externen Ressourcen (Unterstützung durch Familie und Freunde etc.) schätzen wir ein, ob wir der Herausforderung gewachsen sind. Kommen wir bei diesem Abgleich zu der Einschätzung, dass unsere Ressourcen zur Bewältigung der Situation nicht ausreichen, wird dies als stressig erlebt. Die eigene Einstellung und verinnerlichte Gedankenmuster (z.B. „Ich darf keine Fehler machen“) können dabei zu einer unverhältnismäßigen Bewertung von Situationen führen und so das Stresserleben fördern. Entscheidend für das Stresserleben ist also bei Weitem nicht nur das objektive Ausmaß einer Belastung, sondern wie wir unseren Umgang mit den Stressoren bewerten. Im Laufe unseres Lebens entwickeln wir fortlaufend Bewältigungsmethoden (auch Coping-Strategien genannt), die uns helfen, mit Stressoren umzugehen. Sie sind ein wichtiger Stellhebel, um Stress zu reduzieren. ### Was passiert bei Stress im Körper? Die körperliche Stressreaktion läuft seit Beginn der Menschheitsgeschichte nach demselben Muster ab: Alle Außen- oder Innenreize, denen wir ausgesetzt sind, werden im Gehirn in Sekundenbruchteilen wahrgenommen und bewertet. Stressverursachende Reize lösen unmittelbar komplexe Veränderungen im zentralen Nervensystem, Hormon- und Immunsystem aus. So werden über das sogenannte sympathische Nervensystem und über bestimmte Gehirnareale Nervenbotenstoffe, sogenannte Neurotransmitter, in der Nebenniere freigesetzt. Dazu zählen Adrenalin, Noradrenalin und Kortisol. Sie erhöhen den Herzschlag, den Blutdruck und den Blutzuckerspiegel. Dies bewirkt, dass die Muskeln und das Gehirn besser durchblutet und mit Sauerstoff versorgt werden – die Leistungsfähigkeit steigt und die Aufmerksamkeit fokussiert sich auf die Gefahrensituation. Im Gegenzug werden Organe wie Magen oder Darm, die in Ruhephasen aktiv sind, gehemmt. Diese Reaktionen laufen übrigens unabhängig davon ab, ob es sich um Eustress oder Distress handelt. Bei einer normalen (physiologischen) Stressreaktion melden bestimmte Rezeptoren im Drüsensystem und im Gehirn, wenn das Stresshormon Kortisol ausreichend im Blut vorhanden ist. Dann steuert der Körper mit einer eingebauten „Stressbremse“ dagegen, produziert weniger Kortisol und aktiviert den sogenannten parasympathischen Teil unseres Nervensystems. Dieser lässt den Körper entspannen und zur Ruhe kommen. Wenn dagegen das Zusammenspiel der Hormone nicht optimal funktioniert oder wenn der Stressreiz nicht nachlässt, hat der Körper keine Möglichkeit, sich zu regenerieren. Dann drohen ernsthafte Folgeerkrankungen.
Quellen
Frobeen, A. (2019): Wie Stress entsteht. URL: https://www.tk.de/techniker/magazin/life-balance/stress-bewaeltigen/was-ist-stress-2006882 (Stand 04.02.2020). Heinrichs, M.; Stächele, T.; Domes, G.: Stress und Stressbewältigung. Göttingen: Hogrefe, 2015. Kaluza, G.: Stress und Stressbewältigung. In: Erfahrungsheilkunde 63 (2014): 261–266. Volkart, L. (2018): Stress ist nicht gleich Stress – Eustress vs. Distress. URL: https://www.klaus-grawe-institut.ch/blog/stress-ist-nicht-gleich-stress-eustress-vs-distress/ (Stand 10.02.2020).
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