Mediennutzung - Aber richtig!

__Kinder nutzen Videoportale wie „YouTube“, „Twitch“ und „TikTok“ – oder „Dailymotion“, um eine Alternative aufzuzeigen – auch kreativ zur Aneignung der Welt. Konkret bedeutet das, dass sie Anleitungen für verschiedenste Tätigkeiten finden, aber auch dazu angeregt werden, mit diesen Tätigkeiten selbst kreativ zu werden.__
### Die positiven Seiten von „YouTube“ und Co. Ein Beispiel: Kinder, die tanzen lernen wollen, aber aus sozialen oder anderen Gründen keine Tanzschule besuchen können, nutzen Internet-Videos, um die Tanzschritte zu lernen. Später können sie das Gelernte dann kreativ auf andere Musikstücke anwenden. Kinder schauen sich die Videos meist sehr genau an und versuchen oft, auch selbst welche zu drehen. Sie stellen gemeinsam mit Freunden Szenen aus ihrem Alltag dar oder stellen Clips nach, die sie gesehen haben. Es lohnt sich, dieses Potenzial im Unterricht aufzugreifen. In Erklärvideos und kurzen Filmsequenzen durchdenken Kinder Gelerntes neu und ordnen es in ihre Erfahrungswelt ein. Sie üben sich auszudrücken, aber auch, ihren „digitalen Zwilling“ im Internet bewusst zu inszenieren. Ähnlich bedeutsam sind Fotos. Deren Hauptzweck ist es häufig nicht mehr, Erinnerungen zu bewahren, sondern andere Menschen am eigenen Leben teilhaben zu lassen und auch selbst am Leben anderer Anteil zu nehmen. Dabei nutzen Kinder ganz verschiedene Öffentlichkeiten: ihre Familie, die Messenger-Gruppe mit Freunden, aber auch öffentliche Plattformen wie Instagram oder Snapchat. Daher ist es auch schon in der Grundschule notwendig, sich altersgemäß mit Persönlichkeitsrechten, dem Urheberrecht und Fragen des Datenschutzes zu befassen. ### Mediennutzung ist nicht gleich Mediennutzung Hauptsächlich diskutieren Erwachsene beim Thema Mediennutzung durch Kinder, wie viel Bildschirmzeit in Ordnung ist, ohne dass ein Kind in seiner Entwicklung Schaden nimmt. Eine wirklich allgemeingültige Antwort auf diese Frage wird aber niemand geben, der sich ernsthaft mit Kindern und deren Mediengebrauch beschäftigt. Ob ein Kind zu viel vor einem Bildschirm sitzt oder dort Dinge tut, die ihm schaden, kann nur mit Blick auf das Verhalten des Kindes insgesamt beurteilt werden. Dabei spielt eine Rolle, was das Kind konkret tut, zu welchen Zeiten und wie es die Erlebnisse und Erfahrungen verarbeitet. Es ist eben ein Unterschied, ob jemand eigene Welten konstruiert oder Aliens abschießt. Es ist auch ein Unterschied, ob jemand selbstgedrehtes Material kreativ und künstlerisch nachbearbeitet oder unreflektiert ein Video nach dem anderen konsumiert. Im Optimalfall lernt ein Kind frühzeitig selbst einzuschätzen, wann es Zeit ist, YouTube oder das Lieblingsspiel im eigenen Interesse auszuschalten oder den Klassenchat stummzuschalten. Dafür braucht es ein Umfeld, das ihm bei dieser Selbstregulation hilft, in dem es Regeln aushandeln und diskutieren lernt und in dem es sich ausprobieren kann. Neben dem Zuhause gehört dazu die Schule. Im Abschnitt „Fakten zu Stress und Entspannung“ finden Sie viele weitere Informationen und Handlungsbeispiele. Bei diesen Themen geht es überwiegend um einen passiven, konsumierenden Mediengebrauch. Dass dieser in zu hoher Dosis nicht entwicklungsfördernd ist, gilt nicht nur für das Internet, sondern auch für andere Medien wie das Fernsehen. Ganz anders sieht es aus, wenn Kinder Smartphone und Internet dazu nutzen, sich die Welt anzueignen, sie zu hinterfragen und neu zu konstruieren. Wenn Schüler etwa mit ihrem Smartphone durch den Wald streifen und mit einer App zur Pflanzenbestimmung etwas über die dortigen Pflanzen herausfinden, erweitert das ihren Horizont erheblich. Und wenn sie dann noch mit der Navigationsapp wieder nach Hause finden – umso besser. In der Lektion „Mein Smartphone und ich“ erfahren die Kinder, wie viele vorher analoge Geräte mittlerweile im Smartphone stecken. Die Funktionsvielfalt ist atemberaubend. Wenn Sie nur einige der Funktionen gemeinsam genauer erkunden, werden die Schüler in der Lage sein, andere ganz allein zu entdecken und als Werkzeug zur Aneignung, Abbildung und Gestaltung ihrer Welt zu nutzen. Und genau das ist die Aufgabe. Weil Kenntnisse über Funktionsweise und Qualität von Apps in der Regel übertragbar sind, kommt es nicht darauf an, Anwendungsprogramme im Unterricht genauestens zu erarbeiten. Wer zum Beispiel eine Textverarbeitung grob verstanden hat und schon mit verschiedenen Apps arbeiten kann, wird sich in jeder Textverarbeitung zurechtfinden. Wer dagegen die Menüstruktur und die Tastaturbelegung einer bestimmten Version eines konkreten Programms auswendig lernt, wird schon an der nächsten Version dieses Programms scheitern. Der kreative und forschende Umgang mit dem Mobilgerät steht deshalb in allen unseren Themen im Mittelpunkt.
Quellen
Blume, B. (2020): Unterricht: Projektunterricht konkret – Forschungsfragen. URL: https://bobblume.de/2020/06/20/unterricht-projektunterricht-konkret-forschungsfragen/ (abgerufen am 22.02.2021 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs) (Hrsg). Basisuntersuchungen zur Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen. URL: http://www.mpfs.de/startseite/ (abgerufen am 22.02.2021) Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs) (Hrsg). KIM-Studie 2018. URL: http://www.mpfs.de/studien/kim-studie/2018/ (abgerufen am 22.02.2021) Stalder, F. (2016): Kultur der Digitalität. Berlin: Suhrkamp; S. 13. Wampfler, P. (2020): Sprachliche Normen in einer Kultur der Digitalität. URL: https://schulesocialmedia.com/2020/07/14/sprachliche-normen-in-einer-kultur-der-digitalitaet-eine-auslegeordnung/ (abgerufen am 22.02.2021)
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