Kinder, Smartphone und Internet

__Laut der KIM-Studie von 2018 verfügten zum Zeitpunkt der Erhebung 97 Prozent der 6- bis 13-Jährigen über ein eigenes Smartphone. Spätestens mit der Corona-Krise und den daraus resultierenden Schulschließungen im Frühjahr 2020 ging der Trend steil nach oben. Während Studien bis dahin eine weitgehende Vollausstattung mit eigenen Endgeräten eher am Ende der vierten Klasse widerspiegelten, zeigte sich nun, dass viele Kinder schon während der Corona-Lockdowns ihr eigenes Gerät bekommen haben. Sie sollten so am Fernunterricht teilnehmen und mit den Freunden in Kontakt bleiben können.__
Schon zu Beginn des ersten Lockdowns wurde offensichtlich, was vor allem in Schulen zuvor gern wegdiskutiert wurde: Wir leben in einer digital transformierten Gesellschaft. Daran können nur diejenigen in vollem Umfang teilhaben, welche die Geräte und Programme bedienen können, ihre Möglichkeiten kennen und die Spielregeln hinsichtlich digitaler Kommunikation anwenden – auch wenn die Gemeinschaft diese gerade erst aushandelt. Kurz gesagt: Es kann nur teilhaben, wer in der digitalen Welt sprachfähig ist. Auch hängt der Umgangston in unserer Gesellschaft immer mehr davon ab, wie Menschen mit digitalen Techniken umgehen. Und nicht zuletzt muss das Einhalten von Recht und Gesetz im Internet selbstverständlich sein – genau wie es auch selbstverständlich ist, nicht bei Rot über eine vielbefahrene Kreuzung zu schlendern oder im Laden nicht ohne zu bezahlen einfach einzupacken, was einem gefällt. Doch dazu muss man die Gesetze, die einen selbst und andere schützen, nicht nur kennen, sondern auch verinnerlicht haben. In seinem Artikel „Sucht, Demenz und schlechte Noten: Wie gefährlich sind ‚internetbezogene Störungen‘?“ schreibt der Bildungsforscher Martin Lindner: „Unsere Wirklichkeit wird heute nicht mehr zuerst von den Fröschen im Bullerbü-Bach bestimmt, sondern vor allem auch von der Sprach- und Bilderwelt der Medien.“ Aber weil in der Öffentlichkeit noch immer Bildschirmzeit, Sucht und Risiko die Diskussion zum Thema „Kinder und (digitale) Medien“ bestimmen, kommt dieser Fakt häufig zu kurz.
Quellen
Blume, B. (2020): Unterricht: Projektunterricht konkret – Forschungsfragen. URL: https://bobblume.de/2020/06/20/unterricht-projektunterricht-konkret-forschungsfragen/ (abgerufen am 22.02.2021 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs) (Hrsg). Basisuntersuchungen zur Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen. URL: http://www.mpfs.de/startseite/ (abgerufen am 22.02.2021) Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs) (Hrsg). KIM-Studie 2018. URL: http://www.mpfs.de/studien/kim-studie/2018/ (abgerufen am 22.02.2021) Stalder, F. (2016): Kultur der Digitalität. Berlin: Suhrkamp; S. 13. Wampfler, P. (2020): Sprachliche Normen in einer Kultur der Digitalität. URL: https://schulesocialmedia.com/2020/07/14/sprachliche-normen-in-einer-kultur-der-digitalitaet-eine-auslegeordnung/ (abgerufen am 22.02.2021)
Wir verwenden Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Weitere Informationen